Aus dem Hintergrund...
"m i r r o m o o n ... mmh..., da fehlt doch was, oder? Ein mittiges 'r'. Können die Jungs
etwa kein Englisch?" - Na auch da ist was dran, aber...
Schon oft wurden wir nach der Herkunft unseres Namens und der offenbar falschen
Schreibweise befragt, mindestens genauso oft wurden wir deshalb schon falsch geschrieben.
Die Sache mit der Schreibweise ist schnell erklärt: Sie entspringt einer Laune
unserer Natur. Wir sind ganz einfach Ästheten und so wie wir unseren Namen
ausgesprochen haben wollen, soll er sich auch optisch zu erkennen geben. Zudem wird
er auf diese Weise tatsächlich ein Eigenname - hurra, wir sind eigenständig.
Zur Erklärung der Herkunft und Bedeutung unseres Namens bedarf es allerdings ein
paar Worte mehr, genaugenommen gibt es da eine komplette und nichtsdestotrotz unvollendetete Geschichte:
Es träumte einmal...
ein schillernder Jüngling von seines gleichen in
offenbar weit entlegener Raumzeit:
Etmar saß allein an einem Tisch in einem kleinen Dachstübchen, saß
leicht nach vorn gebeugt und beäugte sein allabendliches Mahl,
das genaugenommen auch sein allmorgendliches hätte sein können.
Er war darüber tatsächlich etwas verunsichert, denn ein Frühstücksei,
ein gekochtes, blitzte vor ihm - kein Spiegelei, wie er es sonst des Abends
für gewöhnlich gebraten und duftend bevorzugte. Dieser Abend roch nach nichts,
denn soweit er seinem Sehsinn trauen konnte, konnte er sich recht sicher sein,
daß hinter den Fenstern die Dunkelheit gerade Saison hatte.
Er kümmerte sich nicht weiter um die vertauschten Gezeiten, köpfte gekonnt das Ei
mit einem Messerstreich, streute etwas Salz in die gelbe Wunde
und griff mit vorgenüsslicher Freude nach dem kleinen Löffel.
Nach der ersten Regung damit in seiner rechten Hand hielt er auch
schon wieder inne. Es musste spät sein, sicher fast mitten in der Nacht.
Er konnte den Mond erspähen, nicht durchs Fenster,
sondern zittrig glitzernd auf dem Löffel in seiner Hand.
Hoch und voll erhellt schien er um diese Stunde am Himmel zu scheinen.
Etmar hatte wohl wieder einmal seiner täglichen Arbeit etwas zu viel Zeit gewidmet.
Er schaute eine Weile tiefer in das schimmernde Lichtei auf dem
gewölbten Metall - darauf spekulierend, etwas Ungewöhnliches, Phantastisches
vielleicht aus dieser Perspektive darin entdecken zu können -
wieder einmal daran scheiternd, seine Hand hierbei ganz still zu halten.
Plötzlich durchfuhr ihn ein Schauer. Eine schräge Fratze starrte ihm
erschrocken in die Augen. Alles schien auf einmal stillzustehen und
zu erkalten, selbst seine Hand, die - sich von ihm wegfühlend - bald mit dem Löffel
verwachsen war.
Nicht fähig, den Blick von seinem verzehrtem Abbild zu lösen,
wurde Etmar binnen kurzer Zeit selbst ganz zu dem Gerät in seiner Hand.
Wie ein Bogen spannte sich die Starre um ihn, ganz langsam - und wie ein gelöster Pfeil
schoß er plötzlich von seinem Stuhle hoch und gleich darauf die Tür hinaus,
hinein in die Nacht und geradewegs in Richtung eines nahgelegenen Sumpfes,
den Löffel noch immer fest umkrallt. An einem vielstimmig quakendem Tümpel
kam er endlich zum Stehen.
Tiefliegende Nebelschwaden tünschten diesen Ort
in leuchtendes Graublaugrün. An einem solchen Ort beginnen Vergessen und Vergessenes
ganz von allein von sich zu erzählen - Stille und Lärm sind in sich vereint.
Etmar begann nun selbst zu singen, ein quäkige Mär "for frogs and ducks".
Noch etwas außer Atem versuchte er dabei, sich stimmlich und rhythmisch in den urlautigen
Sound der Tümpler einzubetten, doch gelang ihm dies nur kläglich und
widerstrebte ihm bald, mißfiel ihm sogar. Er sang trotzdem
weiter, kehrte aber zurück zu seinem, ihm innewohnendem Ton und Rhythmus
und das Umgebungs-Gequake wurde etwas einsilbiger und vom Klang her feinsilbriger -
wurde ihm etwa zugehört? Von Kröten, Fröschen und träumenden Enten?
Nach zwei, drei Liedern aber überkam Etmar erneut jene merkwürdige Getriebenheit. Der Grund seines Hierseins,
- sein Löffel - kam ihm wieder in den Sinn, obwohl er ihn schon die ganze Zeit nicht aus der Hand gelegt hatte.
Nun warf er ihn weit hinauf, wirbelnd in Richtung nachtspiegelnder Wasserfläche und mit einem
Plop verstummte das gesamte Sumpfkonzert plötzlich.
Ein Frösteln schob sich durch seine Glieder, Wind kam auf und er
bemerkte, wie der Nebel sich in sämtliche Richtungen zu verflüchtigten
begann. Grün schimmerndes Licht überflutete das Gewässer, auf dessen
gekreuselter Oberfläche nun wieder der Mond tänzelnd zum Vorschein kam.
Mehr und mehr verwirrt, aber noch nicht ohne Vorsicht begab sich der Mann
zum schlammigen Ufer. Als er auf den Grund des Teiches zu schauen versuchte,
offenbarte sich ihm erneut eine gräßliche Fratze, diesmal eingefallen,
fahl und leidäugig. Er bückte sich tiefer zur Wasseroberfläche hinab,
um die quecksilbrigen Doppelbilder auf diese Weise vielleicht durchstechen zu können,
nur verloren seine Füße dabei fast unbemerkt festen Halt.
Die sumpfige Uferböschung gab nach und zog Etmar schließlich mit
sich hinab in die dunkle Welt der Tümpelbewohner, die ihn dort ganz offenbar
alle schon erwartet hatten, ja einige Gesichter kamen ihm trotz ihrer Entstelltheit recht vertraut vor - ein jeder mit einem Löffel in der Hand.
"Was für ein merkwürdiger Traum!?", dachte der Jüngling, als er tief erschrocken
vom letzten Bild erwachte.
Kurz darauf rief er nach seinen Freunden und lud sie auf einen gemeinsamen Tag am See ein ... ;-)